
In #101 Durch die Linse nimmt die Künstlerin und Fotografin Zoë Donkor Roussos einen Stapel #101 T-Shirts mit nach Ghana – dem Land ihrer Wurzeln. In Fotografien aus dem Alltag erkundet sie die Verbindung zwischen Orten, Identität und den Geschichten, die wir mit uns tragen – und die auch unsere Kleidung weitererzählt.
“Ich trage die #101 T-Shirts von Mads Nørgaard schon seit meiner Kindheit. Sie waren dabei, wenn ich Familie besucht habe, im Urlaub, in der Schule oder zu besonderen Anlässen. Kleidung entwickelt nach dem Kauf ihr ganz eigenes Leben. Welche Geschichten und Erinnerungen sie dabei sammelt, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Genau das wollte ich mit diesem Projekt erforschen“, erzählt Zoë über #101 als Ausgangspunkt des Projekts.
Gleichzeitig sieht sie eine Verbindung zwischen #101 und Ghana – vor allem in den Farben:
“#101 stand bei mir schon als Kind immer auf dem Wunschzettel. Ich habe davon geträumt, jede einzelne Farbe und jede Streifenvariante zu besitzen. Für mich gibt es gar nicht so viel Unterschied zwischen der farbenfrohen Welt von #101 und den Gebäuden, Menschen und Straßen Ghanas. Diese Verbindung zwischen zwei Kulturen werden viele Menschen wiedererkennen, die mehr als einen Ort ihr Zuhause nennen.“
Im Rahmen des Projekts veröffentlicht Zoë außerdem ein Fotobuch, das bei Nørgaard paa Strøget ausgestellt wird.
Entdecke hier die Geschichten hinter fünf Motiven aus #101 Durch die Linse:

Der Friseursalon im Viertel
Mein Cousin lebt in Alhajo, einem Stadtteil von Accra, ganz in der Nähe meiner Großmutter. Dort kennt jeder jeden – genau diese besondere Nachbarschaftsatmosphäre macht den Ort aus.
Dieses Foto entstand, während ich mir im Friseursalon um die Ecke die Haare flechten ließ. Ich kam früh am Morgen an, doch wie so oft dauerte es bis in den Abend. Die Stimmung ist dort immer herzlich: Es wird erzählt, gelacht, und viele kommen einfach vorbei, um Zeit miteinander zu verbringen.


Drei Generationen
Dieses Bild bedeutet mir persönlich sehr viel. Es entstand im Haus meiner Großmutter. Sie steht in der Mitte, links neben ihr mein Cousin Joe und rechts mein Onkel Kwabena.
Das Foto strahlt eine besondere Wärme aus. Alle lachen und wirken entspannt – für mich fängt es genau diese Lebensfreude und das Miteinander ein, die ich mit meiner Familie in Ghana verbinde.

Reiten am Strand
Wer in Ghana an den Strand geht – besonders in Accra, wo wegen der starken Strömung nur selten gebadet wird – begegnet fast immer jungen Männern, die mit Pferden am Wasser entlangreiten oder spazieren. Sie hoffen, Besucherinnen und Besucher für einen Ausritt oder ein Erinnerungsfoto zu begeistern.
Ich wollte diesen Moment festhalten, weil er einfach zu Ghana dazugehört. Anders als die Fantasy-Särge muss man nicht gezielt danach suchen – er begegnet einem ganz von selbst. Zu Hause verbinde ich Reitsport eher mit Frauen. In Ghana habe ich dagegen fast ausschließlich Männer auf Pferden gesehen – am Strand ebenso wie anderswo. Das finde ich einen spannenden kulturellen Unterschied.

Eric und die Fantasy-Särge
Dieses Foto entstand in der Werkstatt des Schreiners Eric, unweit des Labadi Beach. Er fertigt sogenannte Fantasy-Särge an – eine beeindruckende Tradition der Ga in Ghana. Die Särge spiegeln die Persönlichkeit, den Beruf oder eine besondere Leidenschaft der verstorbenen Person wider.

Sarg in Form einer Bierflasche könnte dagegen jemanden ehren, der das Leben und das gemeinsame Feiern geliebt hat. Welche Form ein Sarg erhält und wofür sie steht, entscheidet immer die Familie.
Von dieser Tradition hatte ich schon oft gehört, doch erst dieses Projekt hat mich dazu gebracht, mich intensiver damit auseinanderzusetzen. Eric ist einer von vielen außergewöhnlich talentierten Künstlern, die ich kennenlernen durfte. Das Handwerk wird häufig über Generationen hinweg weitergegeben.

Die Motorradshow am Sonntag
Dieses Foto entstand an einem Sonntag – dem traditionellen Kirchentag in Ghana. Bis in den späten Nachmittag bleibt vieles geschlossen, und das Leben verläuft deutlich ruhiger. Die Menschen nehmen sich Zeit zum Ausruhen, bevor die neue Woche beginnt.
Für mich als rastlose Kopenhagenerin ist genau das zu einer meiner liebsten Sonntagstraditionen geworden: die Motorradshow. Früher fand sie in Jamestown statt, wurde jedoch nach Beschwerden von Anwohnern und aus Sicherheitsgründen auf eine Schnellstraße namens Dzorwulu verlegt.

Es ist ein wenig furchteinflößend, gleichzeitig aber auch eines der beeindruckendsten Erlebnisse überhaupt. Die Szene ist fast ausschließlich männlich geprägt – oft bin ich eine der wenigen Frauen, die zuschauen.

“Ich bin unglaublich stolz auf die Zusammenarbeit mit Zoë. Gemeinsam ist ein wunderschönes und ehrliches Projekt entstanden – über das Gefühl, an mehreren Orten gleichzeitig zu Hause zu sein, über Wurzeln, Neugier und Vielfalt. Die #101 erzählt die Geschichten der Menschen, die sie tragen, und genau das bringt Zoë mit #101 Through the Lens auf besonders eindrucksvolle Weise zum Ausdruck.“ – Mads Nørgaard