Interviews

Rose Eken über Inspiration

In ihrer Kunst hat Rose Eken einige der Abfälle, die wir als Gesellschaft herumliegen und herumschwimmen lassen – leere Flaschen, Zigarettenstummel, Junkfood – in Form von glasierter Keramik nachgebildet. Doch die 1976 geborene dänische Künstlerin achtet stets darauf, der Welt, wie wir sie kennen, einen neuen Dreh zu geben, und zwar unabhängig davon, ob sie nun mit Keramik oder Stickereien, Miniaturen, Zeichnungen oder Videoinstallationen arbeitet. 

Interview bei Kasper Steenbach

Über Rose Eken

Die bildende Künstlerin Rose Eken (geb. 1976) schloss ihr Studium am Royal College of Art in London ab (Master of Arts, 2003) und hat bisher in London, Berlin, New York und Kopenhagen gelebt und gearbeitet. Im Alter von 16 Jahren begann Rose als Bühnentechnikerin für Punk-, Rock- und Hardcore-Konzerte an verschiedenen Veranstaltungsorten in Kopenhagen zu arbeiten, was ihre künstlerische Arbeit stark beeinflusst hat. 

Ihre Werke beschäftigen sich oft mit Musik, Fankultur und mit der Dunkelheit als Farbton und als existenzielles Phänomen. Sie ist bekannt für ihre Keramikinstallationen und Miniaturskulpturen von Alltagsgegenständen wie dem Frühstückskaffee, Make-up und Fan-T-Shirts. Rose hat unter anderem im ARoS Aarhus Art Museum, im Horsens Art Museum, in der Hjorts Fabrik – Bornholms Keramik Museum und international in New York, Paris, Istanbul und Berlin ausgestellt. 

Im Store Nørgaard paa Strøget stellt Rose eine Reihe von gegossenen Bronzeskulpturen für das Kunstereignis CHART 2023 aus und startet damit eine umfangreiche Zusammenarbeit mit Mads Nørgaard, die T-Shirts, Seidenschals und eine #101 Rose-Eken-Edition umfasst.

Hast du einen Mentor, der dich entscheidend dazu inspiriert hat, genau diejenige Kunst zu machen, die du machst?

Nein, das würde ich nicht sagen. Vielleicht habe ich viele. Vielleicht aber auch keine. Aber es gab definitiv eine Reihe von Menschen in meinem Leben, die einen großen Einfluss darauf hatten, dass ich genau die Kunst mache, die ich mache. Menschen, zu denen ich aufgeschaut habe, die mich unterstützt haben und von denen ich inspiriert wurde ... Als ich 16 Jahre alt wurde und mir als Punk die Haare grün färbte, schenkte mir meine Mutter Emma Goldmans ‚Anarchistische Memoiren‘. Goldmans Geschichte und ihr Kampf haben mich danach mein Leben lang begleitet. Dies gilt auch für meine Mutter, die vom Typ her sehr ‚badass‘ und ‚spot on‘ ist. Es gibt aber auch eine Reihe von Künstlerinnen und Musikerinnen, an denen ich mich orientiert habe: PJ Harvey, Kim Gordon und Sinéad O‘Connor waren und sind bis heute Inspirationsquellen für mich. Aber auch Tracey Emin, Louise Bourgeois, Sarah Lucas, Rebecca Horn, Leonora Carrington, Dorothea Tanning – I could keep on going. Svend Wiig Hansen (ein dänischer Bildhauer, Maler und Grafiker) war in meiner Kindheit ebenfalls eine wichtige Inspiration für mich. Ich lernte ihn kennen, als ich fünf Jahre alt war, und als ich mich an der Kunstakademie bewarb, half er mir bei der Auswahl der Werke für meine Mappe. Dies war eines der letzten Male, dass ich ihn vor seinem frühen Tod gesehen habe. Er war eine große Persönlichkeit – und leider wird er als Künstler in Dänemark bis heute viel zu oft übersehen.

 

„Ich erinnere mich daran, wie ich über den Festivalplatz mit den Hunderten von zertrampelten Plastikbechern, Absperrungen und anderen Trümmern blickte und dachte: Das hier muss ich in Keramik erschaffen.“



Gibt es bestimmte andere Inspirationsquellen, die du für dich nutzt?

Das hängt davon ab, wohin ich mit meiner Idee will. Inspiration ist eine fließende oder intuitive Sache, und manche Ideen entstehen langsam, andere sind plötzlich da. Aber die offensichtlichen Inspirationsquellen sind sicherlich Gespräche mit Freund*innen, Spaziergänge, Musik, Bücher, nerdige Websites, Bibliotheken, Insta, Ausstellungen, Sci-Fi, Fantasy, Tarotkarten, Erinnerungen, Träume ... Vor ein paar Jahren habe ich eine riesige Installation aus mehreren Tausend Keramikobjekten geschaffen. Die Idee dazu kam mir nach einem Slayer-Konzert am Festival Copenhell 2017, wo ich mit einer Freundin vor der Bühne abhing und darauf wartete, dass das Strömen zum Ausgang nicht mehr ganz so crazy war. Ich erinnere mich daran, wie ich über den Festivalplatz mit den Hunderten von zertrampelten Plastikbechern, Absperrungen und anderen Trümmern blickte und dachte: Das hier muss ich in Keramik erschaffen. Daraus wurde die Installation „Aftermath“, die jetzt im Horsens Art Museum zu sehen ist. – Falls man mal in dieser Region sein sollte.

  

Hattest du jemals das Gefühl, dass du dich in deiner Kunst wiederholst?

Zwischendurch hasst man einfach seine eigene Bildsprache. Aber es ist ja nun einmal so, wie es wird. Vor drei Jahren war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich begann, mich zu langweilen. – Ich hatte sozusagen das Rätsel gelöst, was es war, das ich schuf, und ich hatte das starke Gefühl, mich zu wiederholen. Als Kunstschaffende ist es wichtig, sich immer wieder zu trauen, neue Fragen zu stellen. Den Mut zu haben, sich selbst den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Neugierig zu bleiben. Das Problem ist jedoch, dass man, wenn man erfolgreich ist, von anderen in eine bestimmte Schublade gesteckt wird, und es kann sehr schwierig sein, aus dieser wieder auszubrechen. Ich bin zum Beispiel bekannt als diejenige, die aus allen möglichen Dingen, die wir aus unserem Alltag kennen, Keramik herstellt, und ja, das bin ich auch. – Aber ich bin und war immer noch so viel mehr. Im Grunde habe ich schon immer mit vielen verschiedenen Medien gearbeitet wie mit Video, Skulptur, Installation, Malerei und Stickerei – um nur einige zu nennen. Die letzten Jahre habe ich nun aber damit verbracht, andere Dinge in den Vordergrund zu stellen – neue oder einfach andere Materialien zu untersuchen und mich zu trauen, mich in den Prozess zu vertiefen und einfach für mich selbst etwas zu schaffen. Mich in die Dunkelheit zu begeben und neue, vielleicht facettenreichere Universen zu schaffen. Vielleicht ist meine Kunst dadurch reifer geworden – zumindest hat dies eine Freundin von mir gestern behauptet. Mein Ansatz ist sicherlich anders geworden, und dies ist in der Tat ja das Wichtigste – der Prozess. Das es für mich eine Herausforderung bleibt. Dass ich Spaß habe. Dass ich etwas lerne.

Explore the collaboration Rose Eken x CHART x Mads Nørgaard – Copenhagen online at madsnorgaard.de here and watch the reel with Rose at @madsnorgaard here

1 von 1